Der Tanzbär

Der Tanzbär (Komplettversion)

Er ward als junger Bär gefangen

Die Schnauze, man hat sie durchbohrt

Ein Ring kam daran samt Kette

Und seine Pfoten wurden verschmort

Man zog ihn auf Kohlen – glühend heiß

Ei wie die Funken stoben

Zum Lied einer Fiedel tanzte er

Weil schmerzend die Tatzen sich hoben

In den Gassen lachten die Kinder

Wenn er sein Schauspiel vollführte

Voll Leichtigkeit schien sein Tanz zu sein

Niemand sah je den Schmerz den er spürte

Es glichen die Tage einander

Auf immer gleiche Weise

Freiheit – sie war eine Kette lang

An ihr schlich er nachts still im Kreise

Doch eines Morgens stemmte er

Sein Gewicht seiner Pein entgegen

Die Schnauze barst ihm blutend entzwei

Und er lief hinfort durch den Regen

Wenn heut‘ sein Antlitz im Wasser sich spiegelt

Erinnert die Narbe, dass er entwich

Und wenn eine Fiedel von Weitem klingt

Dann tanzt er noch heute – ganz für sich

Anmerkung: Tanzbären werden zur Musik auf heiße Kohlen oder glühende Stahlplatten gestellt. Durch den Schmerz kommen die typischen Tanzbewe-gungen zustande. Aufgrund dieser Konditionierung verbindet der Bär Musik mit Schmerz und hebt seine Tatzen, wann immer die Musik einsetzt.

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