Eine Elegie auf Klotüren

Eine Elegie auf Klotüren

Als ich neulich meine alte Schule besuchte, legte sich ein Hauch von Nostalgie auf meine Seele. Gleichzeitig geschah es, dass just in jenem Moment, als ich in den ehrwürdigen Gemäuern dieser Lehrinstitution weilte, ein menschlicher Drang in mir aufkeimte, der mich die Toilette aufsuchen ließ. Als ich dort auf der Schüssel thronte, ließ ich meinen Gedanken freien Lauf und meine Blicke schweifen. Etwas war anders…

Wie ein Blitz durchfuhr es mich, als mein Blick auf der Innenseite der Klotür haften blieb. Weiß. Weiß wie der Schleier einer Braut, weiß wie frisch gefallener Schnee, weiß wie die Unschuld, die ich einst in meinem Herzen trug, als ich zum ersten Mal in diese Schule kam. Und mir wurde schlagartig bewusst, was anders war:

Früher waren die Klotüren bunt bemalt, bunt beschrieben, bunt bekritzelt in allen Farben, die Eddings so hergaben. Und jetzt: Gähnende Leere, klaffendes Nichts im Flimmern des Neonlichts.

Klotüren, sie waren einst unser Medium. Damals, als es noch kein Internet gab, keine Mobiltelefone, kein W-Lan. Hier stand das geballte Wissen, das man benötigte, um sein Abitur zu bestehen. Geschichtsdaten, Mathe-formeln, Lateinvokabeln, Ethik-Normen. Man musste nur eine Möglichkeit finden, während der Klausur das Klo aufzusuchen und alles war gut! Heute geht man mit seinem iPhone zu wikipedia. Wir gingen in die Pee-Zone zur WC-pedia.

(…)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: